Ist der Bindermichl nach einem Mann namens Michael Binder benannt? Nicht ganz. Denn er hieß Michael Traunfellner und war Binder nur von Beruf – also ein Handwerker, der Holzfässer mit zusammenhaltenden Eisenringen beschlug.
Wäre Traunfellner bei seinem Handwerk geblieben, hätte der Stadtteil heute sicher einen anderen Namen. Doch erwarb er 1806 ein Bauerngut am Areal, das nach ihm bis 1940 den Hofnamen „Binder-Michl“ trug – und damit die Namensursache des späteren Stadtteils. Warum sich ein einfacher Küfer einen so großen Bauernhof leisten konnte, ist (uns) leider nicht bekannt. Die Geschichte des Ursprungs des Bindermichl kann damit genauso gut die eines Glückspilzes wie eine von ruchlosen Verbrechen sein.
Die planmäßige Verbauung von Wiesen und Felder
Als nach 1938 die Nazis nach Wohn-Baugrund für Arbeiter der Reichswerke Hermann Göring, dem Vorgängerkonzern der voestapine, und für Zwangsumgesiedelte aus der Gemeinde St. Peter, sprich dem nunmehrigen Industriegebiet, suchten, wurden sie am Niedernharter Plateau fündig. Die neue Großsiedlung sollte 7.000 Wohnungen für 30.000 Personen umfassen. Als zentrale Achse war schon damals ein Autobahnzubringer angedacht, entlang diesem repräsentative viergeschossige, etwa 80 Meter tiefe Baublöcke vorgesehen waren, die dem Stadtteil großstädtischen Charakter verleihen und entsprechend höhergestellten Personen wie Ärzten, Rechtsanwälten und leitenden Angestellten vorbehalten sein sollten.
Unter der Bauaufsicht von Albert Speer persönlich
Der Bauabschnitt Bindermichl mit 1.400 Wohnungen war seiner zentralen Lage wegen als Kern dieses neuen Stadtteils mit größeren Amts-Dienststellen und Geschäftsbauten geplant und sollte in fließendem Verlauf in die lockeren Eigenheimverbauungen am Keferfeld und in Gaumberg übergehen. Die riesigen, teils ineinander verschachtelten und kasernenartigen Höfe sind insgesamt einer nüchterneren, bisweilen auch moderneren Architektursprache verpflichtet als etwa die detailverliebten Blöcke der Harbach- und Gründbergsiedlung. Was ein Zeichen dafür ist, dass Architekt Herbert Rimpl und die Reichswerke weniger dem Einfluss von Reichsbaurat Roderich Fick unterworfen waren und weitgehend selber entscheiden konnten. Fick war der Chefplaner für die Umgestaltung der „Führerstadt“ Linz zur „Weltkulturhauptstadt“ gewesen und Hitler direkt unterstellt. Dessen größenwahnsinnige Visionen kamen jedoch schon 1943 durch die Realität des Krieges zum Erliegen. Auch am Bindermichl, der nie so fertiggestellt wurde wie geplant. Auch nicht von seinem Bauaufseher – der niemand geringerer war als Hitlers Lieblingsarchitekt, Minister und Vertrauter Albert Speer.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn du relevante Informationen zu diesem Artikel hast, schick sie uns doch per Mail!



