Linz-Geschichte(n)

Warum hat Linz Oberleitungs-Busse?

Warum ist Linz Linz

In Linz gehören sie zum normalen Straßenbild und dennoch gibt es sie in Österreich nur (mehr) hier und in Salzburg: elektrische Obusse. Seit über 80 Jahren transportieren sie leise Fahrgäste durch die Stadt. Ursprünglich – aus Benzinmangel.

Wir schreiben das vorletzte Kriegsjahr 1944. Die Niederlage Hitler-Deutschlands zeichnet sich ab und eines der in Linz sichtbarsten Belege dafür ist außer den im Juli einsetzenden Luftangriffen der US Airforce der zunehmende Mangel an Treibstoff. Was es an Benzin und Diesel noch gibt, wird für Panzer, LKWs und Kommandowagen benötigt. Beim zivilen öffentlichen Verkehr sucht man darum händeringend nach Alternativen zu Autobussen. Die Linzer Verkehrsbetriebe finden sie in 13 gebrauchten Obussen – aus Italien.

In Hell- und Dunkelgrün nach St. Martin

Am 15. Mai 1944 fuhr der erste – damals hell- und dunkelgrüne – Obus auf einer 8,32 km langen Strecke zwischen dem Hessenplatz und St. Martin und damit auf einem Teilstück der heutigen Linie 43. Nur ein Monat später sollte Italiens Hauptstadt Rom von den Alliierten befreit werden. Und nur ein Jahr nach ihrer Einführung standen die Obusse länger als ein halbes Jahr still. Die Bombardierungen in den letzten Kriegsmonaten hatten auch die Oberleitungen stark beschädigt.

Das Oberleitungs-Netz wächst

1949 folgte die zweite Linie von der Garnisonstraße auf den Froschberg, 1959 der Zweig der ersten Linie zur Neupeint in der Neuen Heimat. 1963 wurde zum Stadtfriedhof in Traun verlängert, 1991 die Autobus-Linie 21 zwischen Bahnhof und Hafen elektrifiziert. Seit 2002 fahren die vier Obus-Linien 41, 43, 45 und 46 auf den heute gewohnten Strecken. Zum 75 Jahre Jubiläum der Linzer Obus-Einführung 2019 rollten die neuen Doppelgelenks-Fahrzeuge aus belgischer Produktion an. Und jetzt? Mit der soeben konzessionierten zukünftigen Linie 48 steht das Obus-Netz vor seinem weiteren Ausbau. Die zusätzlich erforderlichen Busse sind bestellt, die Planungseinreichung wird noch heuer erfolgen, mit der Inbetriebnahme wird Ende 2027 gerechnet.

Härte-Test für die vollelektrische Zukunft

Von der in den 1990er Jahren bei der Linz AG Vorgängerin ESG angestellten Überlegung, die Obusse zugunsten einer einheitlichen, treibstoffbetriebenen Autobus-Flotte abzuschaffen, ist übrigens schon lange keine Rede mehr. Im Gegenteil wird die nächste Autobus-Generation, die in ca. 10 Jahren eintreffen wird, (batterie-)elektrisch fahren. Als Test dafür stellen die Linz AG Linien bereits in den kommenden Monaten die Linie 26 vom Stadion auf der Gugl nach St. Margarethen auf elektrischen Betrieb um. Nicht zufällig jene Linie mit der stärksten Steigung in Linz – auf den Freinberg.

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