
Das 100. Jubiläum ihrer Inbetriebnahme hat die LILO bereits vor 14 Jahren gefeiert. Trotz dieser Länge war ihre Geschichte von Anfang an elektrisch – und ein Erfolg. Im März kann die erste Garnitur ihrer neuen S-Bahnzüge in Eferding besichtigt werden.
Viele Linzerinnen und Linzer wissen, dass die Linzer Lokalbahn nicht von den ÖBB, sondern von der Gmundner Verkehrsgesellschaft Stern & Hafferl betrieben wird. Dass sie damit ein privates Unternehmen ist, kann man allerdings nicht so ohne weiteres sagen. Denn neben kleineren Anteilen an der Linzer Lokalbahn AG, welche Anrainergemeinden wie Eferding, Peuerbach und Leonding halten, besitzt die Stadt Linz 54,3% der Aktien. Und das ist die große Mehrheit. Denn auch das Paket von Stern & Hafferl selbst umfasst nur 35,3%.
Linz gegen Wels – das ist Brutalität
Bereits ganz am Anfang des Projekts in den 1880er Jahren war es der Plan, Eferding, Aschach, Waizenkirchen und Peuerbach mit Linz zu verbinden. Und warum? Wegen Wels. Die erste Lokalbahn nach Errichtung der Westbahn war die Strecke Wels-Haiding-Aschach, die am 20. August 1886 fertiggestellt worden war. Weitere Strecken sollten folgen. Von Wels ausgehend. Das durfte nicht sein! Prompt wurde ein Aktionskommitee aus 24 namhaften Linzer Persönlichkeiten gegründet, dem auch der Bürgermeister der Landeshauptstadt angehörte. Und ebenso schnell entflammte ein jahrelanger Streit zwischen Linz und Wels um Streckenführungen.
Von Linz ins Eferdinger Landl und darüber hinaus – seit 114 Jahren
Bis schließlich am 13. Oktober 1907 die Behörden eine Konzession für den „Bau einer mit elektrischer Kraft zu betreibenden normalspurigen Lokalbahn, von der Staatsbahnstation Neumarkt-Kallham nach Waizenkirchen, mit einer Abzweigung nach Peuerbach“ erteilten. Der Baubeginn erfolgte im Mai 1908. Dass diese und die Linzer Lokalbahn von Anfang an elektrisch fuhren, war der Verdienst von Bauleiter Josef Stern, der dies damit erreichte, indem er das Detailprojekt, in dem er sich gegen Dampfbetrieb aussprach, auf eigene Kosten durchführte. Wer nun vermutet, dass es sich bei Josef Stern (1849-1924) um den Stern in Stern & Hafferl handelt, liegt richtig. Außerdem war er einer der wichtigsten Pioniere bei der Elektrifizierung Oberösterreichs und des elektrischen Bahnbaus im ganzen Kaiserreich, damit also der genau Richtige für den Job. Am 1. Dezember 1911 begann der Bau der Strecke von Linz über Eferding nach Waizenkirchen. Die Teilstrecke Linz-Eferding war ab 21. März 1912 in Betrieb, am 16. Dezember 1912 folgte Eferding-Waizenkirchen.
Der Endbahnhof bei der AK ist nur provisorisch – 93 Jahre lang
Eine Fahrt von Waizenkirchen nach Linz dauerte damals zirka 130 Minuten. Wobei der Linzer Endbahnhof in der Coulinstraße nur ein Provisorium sein sollte, weil dessen Grund von den k.k. Staatsbahnen gepachtet werden musste. Dieses „Provisorium“ hielt sich bis 2005! Enorme Bedeutung erhielt die LILO nach beiden Weltkriegen, als die hungernde Stadtbevölkerung sie für „Hamsterfahrten“ ins das wegen seinen fruchtbaren Böden landwirtschaftlich allzeit wichtige Eferdinger Landl nutzen musste. Deshalb war sie auch als Güterzugstrecke von großer Bedeutung, was sich in Spitznamen wie „Gurkerlzug“ niederschlug. Ab Beginn der 1970er Jahre ging der Frachttransport stetig zurück. Heute hat die LILO keine eigenen Güterwägen mehr.
Vom Nebengleis zur Westbahnstrecke – Endhaltestelle Hauptbahnhof
Am 1. Jänner 1998 fusionierte die Lokalbahn Neumarkt-Waizenkirchen-Peuerbach handelsrechtlich mit der Linzer Lokalbahn. Das sicherlich wichtigste Ereignis in ihrer Nachkriegsgeschichte feierte die LILO jedoch am 18. November 2005, als die LILO erstmals in ihren neuen Endbahnhof einfuhr – den Linzer Hauptbahnhof. Nur wegen der zusätzlich erforderlichen Gleise für die LILO musste der Neubau des Bahnhofs um zehn Meter in Richtung Bahnhofspark verschoben werden. Die damit verbundene direkte Umstiegsmöglichkeit auf das Öffi-Netz der Linz AG Linien brachte eine Frequenzerhöhung von 20%.
Zug fährt ab – in welche Zukunft?
Die Weichen für die weitere Zukunft der Lokalbahn wurden 2016 gestellt, als die Teilstrecke Linz-Eferding als S5 in das S-Bahnsystem des Landes OÖ integriert wurde. Es wird auch die LILO sein, die als erste die neuen TramTrain-S-Bahnzüge bekommt, die im gesamten Netz zum Einsatz kommen werden. Die erste Garnitur wurde soeben vom Werk des Schweizer Herstellers Stadler in Valencia ausgeliefert und ist auf dem Weg nach Linz. Am 17. und 18. März 2026, jeweils 15:00–19:00 Uhr, kann sie in der Stern & Hafferl Bahnwerkstätte Eferding begangen und besichtigt werden.
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