
Die Antwort ist dieselbe wie die auf die Fragen, warum es Pöstlingbergschlössl und Pöstlingbergbahn gibt: Weil sie alle Teile eines Werbefeldzugs für die Elektrizität waren. Zwerge als Marketing-Gags? Nein. Denn die gab es am Anfang noch nicht.
Schon vor 1900 gab es regen Tourismus auf den Linzer Hausberg. Dafür sorgte natürlich die Wallfahrtskirche, aber auch mehrere Ausflugslokale. Hinauf kam man aber nur zu Fuß oder per Kutsche. Als in den 1890er Jahren die „Operation Pöstlingberg“ eingeleitet wurde, geschah das jedoch nicht durch die Stadt Linz oder die damals noch eigenständige Stadt Urfahr, sondern durch ein Unternehmen – die „Tramway- und Elektrizitätsgesellschaft Linz-Urfahr“ (TEG). Wie ihr Name sagte, machte sich diese zur Mission, Linz zu elektrifizieren – ob im öffentlichen Verkehr oder in Haushalten. Dass aus der privaten Firma 100 Jahre später die im Eigentum der Stadt befindliche Linz AG werden sollte, wusste sie freilich nicht. Aber genau das ist der Grund, warum die Grottenbahn immer noch von der Linz AG betrieben wird.
Küssen verboten
Die Wunder und Segnungen der neuen Kraft der Elektrizität zu erleben, sollten Pöstlingbergbesucher in einem Rund-Um-Paket erleben. Von der Anfahrt mit der elektrisch betriebenen Bergbahn, über Blasmusikkonzerte auf der elektrisch beleuchteten Bergschlössl-Terrasse bis hin zur Vergnügungstour mit der elektrischen „Turmbahn“ in einem der ehemaligen Maximilianischen Befestigungstürme. Diese wurde 1906 eröffnet und damit nur acht Jahre nach Fertigstellung von Bergbahn und Hotel. Sie war zwar bereits als Grotte gestaltet und von bunten elektrischen Lampen ausleuchtet. Auch einen Drachenzug gab es schon, Zwerge und Märchen allerdings noch nicht. Dafür gab es eine vierte Fahrt-Runde, die heute nicht mehr im Programm ist – im Stockdunkeln! Einzig beleuchtet war ein Schild, auf dem „Küssen verboten“ stand. Ob dies nun ein amtlicher Hinweis war oder eine augenzwinkernde Aufforderung, blieb wohl bewusst Auslegungssache.
Kein Kinderspiel
Von einem Paradies für Kinder konnte also noch keine Rede sein. Die Fahrt in der Finsternis war auch nicht die einzige Attraktion, die sich an ein erwachsenes Publikum richtete. Ab 1911 konnten sich die Besucher in einem Höhlenmuseum im Keller anhand lebender Exemplare über die Existenzgrundlagen von Grottenolmen informieren. Während des Ersten Weltkrieges wurde wiederum versucht, den Wehrwillen der Bevölkerung mit einem propagandistischen Kriegsmuseum aufrechtzuerhalten. Die ersten Märchenszenen und die ebenfalls erste Nachbildung des Linzer Hauptplatzes – noch auf Leinwand und mit dem Szenario Mittelalter – tauchten erst 1936 auf.
Das Schnäuzen beginnt
Endgültig zum Zwergen- und Märchenreich wurde die Grottenbahn dann nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine fehlgeleitete Fliegerbombe hatte die alte Bahn völlig zerstört. Zur „Mutter“ der „neuen“ Grottenbahn für Kinder wurde die Bildhauerin und Keramikerin Friederike Stolz, welche nicht nur die Zwerge und Märchenfiguren etablierte, sondern auch das 1:7 Modell des Hauptplatzes – diesmal in der Gestalt um 1900 – neu schuf. Und das in den fünf Jahren unmittelbar nach Kriegsende. Die erste Fahrt der neu gestalteten Grottenbahn fand bereits am 1. Mai 1948 statt, das Untergeschoß wurde 1950 eröffnet. Seitdem eroberte diese Linzer Einzigartigkeit jede Generation aufs Neue, schon lange weit über die Stadt hinaus. Modernisierungen wurden dabei bewusst subtil – etwa mittels Audioeffekte – gehalten.
Welcher Drache hat welchen Namen?
Übrigens gibt es manchmal Verwirrungen über den Namen des Grottenbahn-Drachen. Heißt er nun Lenzibald oder Sebastian? Es stimmt beides! Denn es gibt zwei Drachen: Lenzibald ist der Drachenzug, der Glücksdrache Sebastian ist das Maskottchen der Grottenbahn. Die Namensgleichheit mit einem ehemaligen Bundeskanzler ist dabei rein zufällig. Sebastian, der Drache, wurde 1996 eingeführt, da war Sebastian, der Ex-Kanzler, selbst erst im besten Grottenbahn-Alter – nämlich 10 Jahre alt.
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