Linz-Geschichte(n)

Warum hat es in Linz gestunken?

Warum Linz Linz ist

„In Linz, da stinkt’s!“ Diese Abwandlung des alten Spruchs „In Linz beginnt’s!“ und das damit erzeugte entsprechende Image verfolgen unsere Stadt bis heute. Auch wenn das längst nicht mehr stimmt.

Interessanterweise pflegen gerade Bewohnerinnen und Bewohner der Bundeshauptstadt dieses Vorurteil noch immer besonders häufig. Wobei es natürlich auch wieder ein Vorurteil ist, wenn man sagt, dass Wiener prinzipiell keine Ahnung von Österreich außerhalb Wiens haben (wollen).

Es lebe die Chemie

Zurückzuführen ist dieser Ruf jedenfalls eindeutig auf „die Chemie“, wie Linzer*innen die chemischen Betriebe zwischen voestalpine und Tankhafen kurz bezeichnen. Was auch damit zu tun hat, dass der heutige Chemie-Park noch in den 1980er Jahren eine einzige große Firma war: die „Chemie Linz AG“. Diese war ab 1973 das Nachfolgeunternehmen der 1946 verstaatlichten „Österreichische Stickstoffwerke AG“, welche wiederum 1939 als „Stickstoffwerke Ostmark AG“ gegründet wurden. Gründungsjahr und Name machen klar, wer für die Etablierung der chemischen Industrie in Linz verantwortlich war: Die Nazis.

Tochter von IG Farben

Im Gegensatz zu den benachbarten „Reichswerken Hermann Göring“, deren Kokereigas für die Wasserstoffgewinnung in den Stickstoffwerken benötigt wurde, war deren Mutterkonzern die berüchtigte „Interessengemeinschaft Farben AG“, kurz „IG Farben“, mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. 1925 aus dem Zusammenschluss von acht führenden deutschen Chemie-Unternehmen – darunter Agfa, BASF, Bayer und Hoechst – hervorgegangen, war die IG Farben auf ihrem Höhepunkt das größte Unternehmen in Europa. Und das größte Chemie- und Pharmaunternehmen der Welt! Nach Kriegsende beschlagnahmte der Alliierte Kontrollrat ihr Vermögen, ordnete ihre Auflösung an und entflocht sie ab 1952 in elf eigenständige Unternehmen. Das Abwicklungsverfahren dauerte rund 60 (!) Jahre, erst 2003 wurde die IG Farben im Handelsregister gelöscht. Diese Zerschlagung geschah nicht ohne Grund. Im sogenannten IG Farben Prozess von 1947 mussten sich 23 leitende Angestellte des Unternehmens für ihre Beteiligung an den Verbrechen der Nazis verantworten, zwölf von ihnen wurden verurteilt.

Zwangsarbeit auch in Linz

Dabei spielte weniger eine Rolle, was die IG Farben hergestellt hatte – wie etwa über eine Firmenbeteiligung auch das in den Vernichtungslagern eingesetzte Zyklon B – sondern durch wen. Zwangsarbeit durch hunderttausende sogenannte Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge war bei der IG Farben nicht die Ausnahme gewesen sondern die Regel. Auch in Linz. Zwei Außenlager des KZ Mauthausen – „Linz I“ und „Linz III“ – wurden ganz zielgerichtet in der Nähe des Industriegeländes errichtet. Waren die Stickstoffwerke ursprünglich gebaut worden, um hauptsächlich chemische Düngemittel herzustellen, ging man bei fortlaufenden Kriegsverlauf immer mehr zur Erzeugung von Sprengstoffen über.

Linzer Luft mit ihrem besonderen Duft

Nach dem Krieg wurden die Produkte zwar wieder ziviler, deren Herstellung jedoch nicht weniger gefährlich, umweltschädlich – und eben geruchsintensiv. Linzer*innen, die diese Zeit erlebt haben, vermissen den typischen Linzer „Duft“ von damals nicht wirklich. Auch wenn einem bei der Rückkehr aus dem Urlaub die Chemie Linz – auch unter „Mithilfe“ der Papierfabrik Nettingsdorf – schon von weitem durch die Nase wieder daheim „begrüßte“.

Durch die undefinierbaren Abgase der Chemie, die in unzähligen Farbtönen schillerten, war tatsächlich nur eine Sache schöner als heute: die Sonnenuntergänge.

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