
Kleinmünchen hätte sehr leicht ein ähnliches Namensschicksal erfahren können wie St. Florian. Denn auch hier spielte bei der Taufe ein katholischer Heiliger eine entscheidende Rolle – St. Quirinus.
Eine Kirche im Süden von Linz geht historisch bis ins 10. Jahrhundert zurück und wurde erstmals 1290 als „sancti quirini in Municheyn“ in einem päpstlichen Ablassbrief urkundlich erwähnt. Municheyn? Also München? Hatten sich da die Archivare in Rom geographisch etwas vertan? Mitnichten. Es ist nicht belegt, wann es genau war, aber irgendwann im Mittelalter gehörte das Gebiet um das bereits bestehende Kirchlein einem reichen Gutsbesitzer, von dem nur bekannt ist, dass er „Otto ze Munichen“ (Otto aus München) genannt wurde. Als gottersfürchtiger und anscheinend kinderloser Zeitgenosse vermachte dieser Herr seinen weltlichen Besitz der örtlichen Kirche und damit auch seinen Rufnamen. Im Lauf der Jahrhunderte wurde aus „Quirin in Municheyn“ allmählich „Kyrein-Munich“ und schließlich „Kleinmünchen“.
Vom Bauernland zur Industrieregion
Eigentlich erstaunlich, da die örtliche Kirche bis heute dem Heiligen Quirinus geweiht ist, die Ansässigen also stets wissen mussten, dass der Name ihrer Gemeinde auf diesen zurückging. Denn eine eigene Gemeinde war Kleinmünchen für eine lange Zeit. 1834 etwa lebten auf ihrem Gebiet, das die heutigen Stadtteile Kleinmünchen, Scharlinz, Auwiesen, Schörgenhub, Neue Heimat, Bergern, Zöhrdorf, Wegscheid und St. Martin, (das 1876 zu Traun kam) umfasste, gerade mal 765 Menschen. Durch die Wasserkraft der Traun und ihrer begleitenden Bäche sollte aus dem Bauernland ab dann aber bald ein industriell geprägter Ort werden, dessen Schwerpunkt die Web- und Spinnbranche war. Diese Tradition ist heute noch mit der Linz Textil AG im Stadtteil aktiv.
Mit der Bim nach Linz
Als Kleinmünchen am 16. Juni 1923 zu Linz kam, war das ein außerordentliches Ereignis. Nicht nur, dass es die einzige Eingemeindung in den 1920er Jahren war, sondern auch, dass sie freiwillig von beiden Seiten erfolgte. Weil Georg Hebestreit von der Bezirkshauptmannschaft und der Linzer Bürgermeister Josef Dametz damals mit der Straßenbahn zur offiziellen Übergabe zum letzten und in der gleichnamigen Straße verewigten Kleinmünchner Bürgermeister Karl Steiger fuhren, wurde diese eigentümliche Amtshandlung zum Jubiläum 2023 mit einer historischen Straßenbahn nachgestellt.
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