Linz-Geschichte(n)

Warum gibt es die Florianerbahn nicht mehr?

Warum Linz Linz ist

61 Jahre lang verband die Lokalbahn Ebelsberg-St. Florian – oder Florianerbahn – den Linzer Süden mit der Marktgemeinde im Bezirk Linz-Land. Schon vor mehr als einem halben Jahrhundert, genau am 1. Jänner 1974, absolvierte sie ihre letzte Fahrt.

Ihre erste Fahrt hatte die Florianerbahn am 1. September 1913 angetreten. Allerdings nicht so wie geplant. Denn die als Privatunternehmen unter der Betriebsführung von Stern & Hafferl konzipierte Lokalbahn hätte eigentlich Ebelsberg, das damals noch eine eigenständige Gemeinde war, mit Steyr verbinden sollen. Eine Idee, die um ihren Umsatz fürchtende Kaufleute aus Steyr im Keim erstickten und damit der Florianerbahn bereits vor ihrer Geburt eine schwere Hypothek mitgaben. Spätestens mit Ausbruch des 1. Weltkriegs waren die Steyr-Pläne endgültig tot.

Vamos a la playa

Durch den von Anfang an elektrischen Betrieb und der gleichen Spurweite wie die Linzer Straßenbahn war zumindest der Anschluss an ebendiese im Jahr 1929 möglich. Allerdings nicht ohne Umsteigen, die Florianerbahn-Fahrzeuge waren zu breit für den Verkehr in Linz. Waren die Fahrgastzahlen bis nach dem Zweiten Weltkrieg immer sehr schwankend gewesen, gingen sie durch die zunehmende Motorisierung in den 1950er und 60er Jahren und den Bau der Westautobahn endgültig stark zurück. Nur die Einführung von „Badezügen“, für die 1949 extra die neue Haltestelle „Pichling-See“ eingerichtet wurde, hielt diesen Trend noch etwas auf.

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

1973 scheute die ESG ihren Kostenanteil für eine dringende Erneuerung der Traunbrücke und verkürzte ihre Linie E, die heutige Linie 2. Die Florianerbahn verlor damit ihren Bim-Anschluss und ihre einzige Fahrgastquelle aus Linz. Die Defizite der Bahn, die nach wie vor privat war, stiegen ins Unstemmbare. Das Aus am 1. Jänner 1974 war damit unausweichlich.

Das gabs nur einmal, das kommt nie wieder

Wird der im Volksmund so genannte „Dschungelexpress“ jemals Wiederauferstehung feiern? Das ist mehr als unwahrscheinlich. Die Gemeinde St. Florian hat nicht nur kein Interesse, sie hat auf Druck der anrainenden grundbesitzenden Landwirte auch den seit 1988 von einem Verein durchgeführten Museumsbetrieb der Bahn 2003 abgedreht. Die Stadt Linz wiederum gestaltete ab 2023 die ehemalige Trasse auf ihrem Gebiet in einen Radweg um.

It’s the final countdown

Das für überregionalen öffentlichen Verkehr zuständige Land Oberösterreich schließlich hat seinen Fokus hinsichtlich Bahnen in diesem Bereich auf die S-Bahnlinie 1, die auf der Westbahn verkehrt, konzentriert. Das ist kein Wunder. Der Großteil der Pendler hier kommt nicht aus St. Florian, sondern aus den wachsenden Ballungszonen entlang der B1, also aus Asten, Enns und dem NÖ-Bezirk Amstetten. Um die Frequenz der S1 erhöhen zu können, muss jedoch zuerst die Westbahn zwischen Hauptbahnhof und Kleinmünchen viergleisig ausgebaut werden. Ein Projekt, das die ÖBB seit Jahrzehnten verschiebt, aber dessen Baustart nun immerhin final festgelegt hat: Auf dieses Jahr.

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