Linz-Geschichte(n)

Warum gab es in Ebelsberg eine Kaserne?

Warum Linz Linz ist

Vor kurzem wurden die ersten neuen 44 Wohnungen im „Sommerfeld“ in Ebelsberg bezogen. Genau genommen das erste Haus der ehemaligen Hiller-Kaserne. 2016 wurde diese vom Bundesheer verkauft. Aber warum war sie eigentlich dort gewesen?

„Dort wo sie stand, hätte sie eigentlich nie errichtet werden dürfen“. Das sagten Bundesheer-Offiziere, die selber einst in der Hiller-Kaserne dienten. Denn es gab in ihrer Umgebung nie geeignete Truppenübungsplätze, schon gar nicht für Panzer. Solche waren hier aber stationiert und mussten fürs Training ihrer Mannschaften jedes Mal viele Kilometer und Sprit fressen, um zum nächsten entsprechenden Gelände in Treffling zu gelangen.

Doch keine SS-Kaserne

Generell war die Kaserne von Anfang an voller Widersprüche. Begonnen beim Bau um 1940. Konzipiert worden war das Areal von den Nazis als 6000-Mann-Großkaserne für die SS – mit über 30 Gebäuden, die sich bis zur Traun erstrecken sollten. Errichtet wurden jedoch wesentlich weniger und die vorgesehenen Nutzer der SS-Standarte „Ostmark“ waren noch vor ihrer Fertigstellung an die Front geschickt worden. Danach mutierte die Kaserne zum provisorischen Lager für alle möglichen Zwecke und Gruppen – Kriegsgefangene, Volksdeutsche, Flüchtlinge.

Sammellager und B-Gendarmerie

Diese „Tradition“ griff die US-Army nach dem Krieg auf und machte die Ebelsberger Kaserne zum Sammellager für „Displaced Persons“ (DP). Ein Teil wurde für befreite jüdische KZ-Häftlinge eingerichtet und firmierte bis 1951 unter den Namen „Star of David“, bzw. „Camp Rosen David“. 1955 war Österreich wieder frei und bekam ein eigenes Bundesheer, wobei dieses zu Beginn „B-Gendamerie“ hieß. Folgerichtet war auch die OÖ Gendamerieschule in den 1950ern in der Kaserne untergebracht. Seit 1968 befand sich dort das Kommando der 4. Panzergrenadierbrigade. Ruhe kehrte dann aber auch nicht ein.

12 Truppen-Umgruppierungen

Zwischen 1955 und 2010 gab es ganze 12 (!) Truppen-Umgruppierungen. Nachweinen tut das Bundesheer seinem ehemaligen Standort daher nicht wirklich. 2016 verkaufte der Bund das Gelände vor allem aus Kostengründen, seitdem wartete es auf eine Zukunft als neues Wohnviertel, wobei dessen 11 Hauptgebäude unter Denkmalschutz stehen.

Eine erfolgreicher Feldherr?

Eine widersprüchliche Merkwürdigkeit steht übrigens auch auf dem Gedenkstein für den Namensgeber der Kaserne, Johann Freiherr von Hiller (1748 oder 1754-1819). Darauf ist von einem „erfolgreichen Treffen bei Ebelsberg“ die Rede. Der General war zwar tatsächlich Teil des Kommandos der Habsburger-Armee in der Schlacht vom 3. Mai 1809 gegen Kaiser Napoleon Bonaparte gewesen, aber erfolgreich verlief diese ganz und gar nicht. Im Gegenteil war ab hier der Weg nach Wien für die französischen Truppen frei – nachdem tausende Soldaten niedergemetzelt und Ebelsberg fast zur Gänze niedergebrannt worden war. Ob vom militärischen Erbe viel erhalten werden wird, wird man sehen. Von Freiherr von Hiller wird wohl nur die auch nach ihm benannte angrenzende Straße bleiben.

.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wenn du relevante Informationen zu diesem Artikel hast, schick sie uns doch per Mail!

Weitere Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"