
Ende Februar 1552. Linz ist in heller Aufregung. Weil Erzherzog Maximilian, Neffe von Kaiser Karl V., samt Gefolge in der Stadt eintrifft? Auch. Aber noch mehr Aufsehen erregt ein bestimmter Begleiter des Prinzen: Soliman – ein Elefant!
Zu festlichen und diplomatischen Anlässen lebende Elefanten zu verschenken, war schon im Mittelalter ein recht beliebtes Mittel von Herrschern, um beim Beschenkten Eindruck zu schinden. Wer sonst außer ein König konnte so etwas auch damals bewerkstelligen? Das erste berühmte „Elefanten-Geschenk“ war Abul Abbas, ein weißer Elefant, den der legendäre Kalif Hārūn al-Raschīd um 800 von Bagdad aus an Kaiser Karl den Großen nach Aachen schickte.
Ein Elefant zur Verlobung
Der indische Elefanten-Bulle Soliman war ursprünglich um 1548 der Prinzessin Johanna, jüngste Tochter Kaiser Karls V. (1500-1558), von ihrem zukünftigen Gemahl, Prinz Johann von Brasilien, Sohn des portugiesischen Königs, verehrt worden. Er war also quasi ein Verlobungsgeschenk. 1551 übernahm diesen der Neffe Karls V. Erzherzog Maximilian, nachmalig Kaiser Maximilian II. (1527-1576). Vermutlich, weil seine Cousine Johanna wusste, dass er eine Leidenschaft für Raritäten hatte. Soliman sollte am halben Kontinent berühmt werden. Und das war dem Umstand zu verdanken, dass Maximilian samt großem Gefolge im November 1551 von Valladolid in Spanien nach Wien aufbrach und diesen mit auf die Reise nahm.
Spuren in halb Europa
Die Reise führte quer über die iberische Halbinsel nach Barcelona, dann per Schiff nach Genua und von dort über Mailand nach Tirol. Von Innsbruck aus ging es auf dem Inn nach Passau. Ende Februar 1552 erreichte der Tross auf der Donau Linz. Es ist nicht verwunderlich, dass der exotische Elefant allüberall noch mehr für Hallo sorgte als der Erzherzog und Spuren hinterließ, die bis heute sichtbar sind. Ob es zahlreiche Gasthäuser wie etwa das Hotel „Elephant“ mit entsprechendem Fassadenbild in Brixen ist. Oder das Haus Hauptplatz 21 in Linz.
Das Linzer „Elefanten-Haus“
Denn dieses zeigt ein Relief in Stukko-Technik, auf dem zwei „wilde Männer“ auf einer Platte einen Elefanten hochhalten. Eben Soliman. Warum ist leicht erklärt: Der zeitgenössische Hausbesitzer ließ es in Gedenken der außergewöhnlichen Begegnung anbringen – und das war der damalige Bürgermeister von Linz.
Endstation Kremsmünster?
Leider nur anderthalb Jahre nach seiner Ankunft in Wien starb Soliman am 18. Dezember 1553, angeblich infolge einer „Unachtsamkeit des Pflegers“. Ausgestopft „überlebte“ seine Haut bis zum 2. Weltkrieg, bis diese in einem feuchten Bombenkeller des Bayerischen Nationalmuseums in München verschimmelte. Aus seinen Knochen ließ der Bürgermeister von Wien einen Sessel anfertigen, der mehrfach den Besitzer wechselte und schlussendlich kurioserweise wieder in der Nähe von Linz landete. Bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts befindet er sich nämlich in der Sammlung des Stifts Kremsmünster.
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