Linz-Geschichte(n)

Rainer Maria Rilke brennt mit der Linzerin Olga durch

Linz Legenden

Mai 1892. Was haben Johann Wolfgang von Goethe und Rainer Maria Rilke gemeinsam? Außer natürlich, dass sie berühmte Dichter waren. Sie hatten beide eine leidenschaftliche Affäre mit einer schönen Linzerin! Unglaublich? Aber wahr!

Goethes außereheliche Beziehung mit Marianne von Willemer ist nur deswegen viel bekannter, weil sie am Sterbebett selbst dafür sorgte, dass sie der Nachwelt offenbart wurde. Und weil sie auch literarisch von Bedeutung ist, verewigte sich Marianne doch mit drei eigenen Gedichten in Goethes „Ost-Westlicher Divan“. Rilkes jugendliche Romanze – er war erst 17 – mit der Linzerin Olga Blumauer kennt deswegen fast niemand, weil diese in flagranti aufflog und von seiner Familie abgewürgt wurde – aber damit das spätere Leben und Werk des Lyrikers entscheidend beeinflusste!

Ein „Mädchen“ soll Offizier werden?

Rainer Maria Rilke (1875-1926), geboren in einem noch altösterreichischen Prag, musste eine Kindheit und frühe Jugend zwischen zwei Extremen erleiden. Mutter Sophie „Pia“ Rilke hatte den frühen Tod der ein Jahr früher als René – Rilkes eigentlicher Taufname – geborenen Tochter psychisch nicht verkraftet und zog den unglücklichen Buben als Mädchen auf – samt langen Haaren, Puppen und Kleidchen. Vater und Bahnbeamter Josef Rilke hatte wiederum eine militärische Karriere angestrebt, diese jedoch nicht geschafft und projizierte das nun auf den Sohn, indem er ihn in Kadettenanstalten steckte. Von Mamas verzärteltem „Töchterlein“ zum militärischen Drill mit hunderten Burschen über Nacht! Das konnte nicht gut gehen und tat es auch nicht.

Die Linzer HAK bekommt einen berühmten Schüler?

Also musste eine andere Berufslaufbahn her. Onkel Jaroslav Rilke schlug eine kaufmännische vor, worauf sein Neffe im September 1891 mit 16 Jahren in der 1882 erst als vierte Österreich-Ungarns gegründeten Handelsakademie in Linz landete. Und die befand sich damals in der Altstadt unter der heutigen Adresse Hofgasse 23. Ein Gebäude aus dem frühen 16. Jahrhundert, das einst Freihaus der Jörger, Landeskanzlei und „Deutsche Normalschule“ gewesen war. Rilke wohnte im Haushalt des Verlegers Hans Drouot, Neffe von Viktor Drouot, der von 1867 bis 1873 Bürgermeister von Linz gewesen war. Zudem wurde sein bester Freund der Klassenkollege Arnold Wimhölzel, Sohn des damals amtierenden Linzer Bürgermeisters Johann Evangelist Wimhölzel. Dennoch fühlte er sich auch hier nicht wohl, begann aber seine ersten Gedichte zu schreiben. Und eben eine Liebesbeziehung mit dem Kindermädchen Olga Blumauer, das älter als er war.

Kein Dichter ohne Linz und Olga?

Wer weiß, ob Rilke nicht ein heute unbekannter Handelsangestellter geworden wäre, wenn er die HAK einfach abgeschlossen hätte. Doch anstatt das zu tun, brannte er mit Olga durch! Natürlich in die anonyme Großstadt, also nach Wien. Wie eingangs erwähnt, wurden die beiden aber entdeckt, Olga zurück nach Linz geschickt und Rainer Maria von Onkel Jaroslav nach Prag heimgeholt. Nach nicht einmal zwei Jahren war die junge Liebe, die Handelslaufbahn und der Lebensabschnitt in Linz als Ganzes abrupt beendet. Das sollte Folgen haben! Er machte außerschulisch die Matura nach, begann zu studieren und ab 1894 regelmäßig Gedichtbände, später auch Prosa-Werke und theoretische Schriften zu publizieren. Der Rest ist Literaturgeschichte.

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