Linz-Geschichte(n)

Johann Konrad Vogel macht Torten und Luther populär

Linz Legenden

26. Mai 1944. Keine zwei Wochen vor dem D-Day wird in Linz noch heile Welt gespielt. An diesem Tag mit der Uraufführung der Operette „Linzer Torte“ im Landestheater. Die Hauptfigur ist ein gewisser Johann Konrad Vogel.

Und warum wird der Zuckerbäcker besungen? Weil er der Erfinder der Linzer Torte ist! Dafür wurde er jedenfalls lange gehalten. Nur stimmt das halt nicht. Das älteste uns heute bekannte Rezept für Linzer Torte stammt aus dem Jahr 1653, womit es eines der ältesten der Welt ist. Und fast 150 Jahre bevor Johann Konrad Vogel (1796-1883) geboren wurde. Allerdings gebührt dem „Jindrak des 19. Jahrhunderts“ der Ruhm, die Torte durch Massenproduktion und Postversand zum Linzer Souvenir und weltberühmt gemacht zu haben.

Ein feste Burg ist unser Gott

Dass die Straße bei der Martin-Luther-Kirche nach Vogel benannt ist, hat er jedoch nicht der Linzer Torte zu verdanken. Sondern vielmehr Gott. War er doch neben seinem Beruf auch der Vorsteher der evangelischen Kirchengemeinde und maßgeblich für den Bau der Kirche verantwortlich. Darüber hinaus machte er sich um die Armenpflege verdient und wurde dafür sogar zum Linzer Ehrenbürger ernannt.

Der 30-jährige Krieg ist 130 Jahre her, aber …

Auffällig an der Martin-Luther-Kirche ist primär ihre von der Landstraße versetzte Lage. Damit kommt sie von allen an ihr gelegenen Gotteshäusern optisch am besten zur Geltung. Ein Paradoxon. Denn das war von der katholischen Obrigkeit des 18. Jahrhunderts eigentlich als verächtliche Diskriminierung gedacht. So aufgeklärt Kaiser Joseph II. (1741-1790) auch war, sein sogenanntes „Toleranzpatent“ von 1781 war so ziemlich das Gegenteil von Toleranz. Zwar wurde damit den Gläubigen protestantischer Konfession 133 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg die Ausübung ihrer Religion (wieder) offiziell erlaubt. Sogenannte „akatholische“ Kirchen wollte der Habsburger Herrscher aber dann doch nicht in der Gegend herumstehen haben.

Eine Kirche, die nicht wie eine aussehen darf

Zumindest sollte man diese nicht auf den ersten Blick als solche erkennen. So durften sie keine Rundfenster haben, keinen Turm und mussten eben mindestens 50 Meter von einer Hauptstraße entfernt stehen – mit einem von ihr abgewandten Eingang! Darüber hinaus durften sie sich auch nicht Kirchen, sondern nur Bethäuser nennen. Eine Aufhebung dieser Diskriminierungen erfolgte erst nach der Bürgerlichen Revolution von 1848, die trotz ihrer Niederschlagung doch ein paar Liberalisierungen mit sich brachte.

Der Turm kommt dann 20 Jahre später

Weil der Grundstein der Linzer Kirche aber schon 1842 gelegt worden war, kamen bei ihrem Bau die Bestimmungen des Toleranzpatents noch voll zum Tragen, inklusive Versetzung nach hinten und Turmverbot. Das goldene Kreuz konnte erst 1862 an der Spitze des nachträglich doch noch errichteten Turms angebracht werden. 1910, 1949 und 1997 wurde die Kirche renoviert. Erst bei der zweiten Sanierung erhielt sie ihren heutigen Namen: Martin-Luther-Kirche.

Ein neues Gesicht für Straße und Platz

Die direkt an der Kirche gelegene Johann-Konrad-Vogel Straße erhielt 1876 ihren Namen, damit 10 Jahre nach endgültiger Fertigstellung des Bauwerks und sogar noch zu Lebzeiten des Konditors und Ehrenbürgers. Genau jetzt ist sie wieder im Fokus, wird sie doch mit dem angrenzenden Martin-Luther-Platz ab 7. April 2026 mit Bäumen, Beeten und teilweiser Entsiegelung völlig neu gestaltet. Die Komplettierung dieses Unterfangens ist für Oktober diesen Jahres geplant.

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