
1930. Der Frühling kommt und damit die Freiluftsaison. Ab Beginn der 1930er Jahre ist Linz nicht nur um einen Gastgarten reicher. Er soll deren ungekrönter König werden: der Biergarten des „Stieglbräu zum Klosterhof“ an der Landstraße 30.
Im Volksmund auch kurz „Klohof“ genannt, wird das Gasthaus gerne als „Linzer Institution“ bezeichnet. Danbei gibt es gleich drei Gründe, warum das eigentlich nicht wirklich zutrifft: 1. Stiegl ist eine Salzburger Brauerei 2. Einen Gastronomiebetrieb beherbergt das Gebäude eben erst seit 1930. 3. Es hat nie Linzern gehört und steht seit über 230 Jahren im Besitz des Stiftes Kremsmünster.
Seit Jahrhunderten im Besitz von Mönchen
Sogar nahezu von Beginn an gehörte der Klosterhof einem Mönchsorden. Damit bleiben beim Namen keine Fragen offen. 1595 erstmals urkundlich erwähnt, residierten hier ab 1626 die Würdenträger des Zisterzienser-Stiftes Baumgartenberg bei Perg, wenn diese in der Landeshauptstadt weilten. Nachdem Kaiser Joseph II. dieses Kloster im Jahr 1784 aufgehoben hatte, ging es an die Benediktiner des Stiftes Kremsmünster. Der Grund dafür war ein simples Tauschgeschäft. Die geistlichen Herren gaben ihr Haus an der Herrenstraße 17 her, das fortan als Bischofssitz der damals neu geschaffenen Diözese Linz diente und erhielten dafür eben das Haus Landstraße 30. Beides ist noch heute so, die römisch-katholische Kirche denkt und handelt eben in Jahrhunderten.
Vom Beten über die Bildung zum Bier
Was über 90 Jahre anders war, ist der Verwendungszweck. Der lag nämlich vor 1930 auf Seiten der Bildung. Bis 1883 hatten die Benediktiner hier ein „Museum Physicum“ untergebracht, dann suchten bis 1928 Wissbegierige in diesen Räumen die Linzer Studienbibliothek auf. Als ein Jahr später die Stieglbrauerei den Klosterhof pachtete, gab sie demselben Münchner Architekten den Auftrag, diesen zu einem Gasthaus umzugestalten, der bereits dem Salzburger Stiegl-Keller sein heutiges Aussehen verliehen hatte. Womit sich der Kreis schließt. Denn nach mehreren Subpächter-Wechseln – darunter in der 1970er Jahren auch der „Hendl-König“ Friedrich Jahn, der das Lokal nur unter der Auflage bekam, keinen „Wienerwald“ daraus zu machen – führt den Klosterhof heute die Familie Gassner. Und diese betreibt unter anderen Gastronomiebetrieben auch den Stiegl-Keller.
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