Linz-Geschichte(n)

Ignaz Mayer lässt Schifferl auf der Donau fahren

Linz Legenden

1840. Im Alter von nur 30 Jahren gründet Ignaz Mayer den ersten eisenverarbeitenden Betrieb in Linz: die Schiffswerft, die heute die ÖSWAG ist. Zwischen 1840 und 1875 baute sein Unternehmen am Donau-Knick 252 Schiffe.

Am Höhepunkt beschäftigte Ignaz Mayer (1810-1876) 556 Angestellte. Dann verließ ihn das Glück. Sein ältester Sohn, der die Werft hätte übernehmen sollen, starb mit 37 Jahren. Dieser Schicksalsschlag und wirtschaftliche Probleme zwangen Mayer, das Unternehmen an die „Österreichische Baugesellschaft“ zu veräußern. Der sollten noch weitere Besitzer folgen.

Kriegsschiffe für den Kaiser

1909 wurde die Werft vom „Stabilimento Tecnico Triestino“ übernommen, damit aber nicht etwa von ausländischen Investoren. Das war vielmehr einer der größten Werften Österreich-Ungarns und damit das auch jedem klar wurde, wurde der Konzern zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf „Austria Werft“ umbenannt. Als solche baute sie für die k.k. Kriegsmarine Schlachtschiffe.

Kriegsschiffe für den Führer

Das Schicksal, Kriegszwecken dienen zu müssen, sollte sich für die Linzer Schiffswerft dann 1938 wiederholen. Bereits drei Monate nach dem Einmarsch der Deutschen wurde sie im Juni 1938 zum Rüstungsbetrieb erklärt und den Hermann-Göring-Werken einverleibt.

Frachtschiffe für den Ostblock

1946 verstaatlichte die wiedererstandene Republik Österreich die Werft wie so viele andere Industriebetriebe. 1974 fusionierte die Linzer Werft mit der von Korneuburg zur „Österreichischen Schiffswerften AG Linz-Korneuburg“ (ÖSWAG) und gliederte sich der VÖEST an. Das Geschäft lief in dieser Zeit gut – bis 1989 die Berliner Mauer und 1991 die Sowjetunion fielen. Denn vor allem der kommunistische Ostblock hatte die Schiffe der ÖSWAG gern gekauft.

Einbruch und Aufschwung im Kreuzfahrts-Boom

Dem Absatz-Einbruch folgte die Privatisierung und 1994 das Aus des Korneuburger Standorts. Nicht zuletzt dank dem Boom der Flusskreuzfahrten ging es mit der geschrumpften ÖSWAG und durch die von ihr durchgeführten Renovierungs- und Reparaturarbeiten wirtschaftlich jedoch wieder aufwärts. Und auch neue Schiffe werden nach wie vor gebaut: Frachtschiffe, Schubschiffe, Patrouillenboote, Großjachten, Motorgüterschiffe oder Mähboote für die Algenentfernung. Und sogar Fahrgastschiffe für Seen und Flüsse: die „Panta Rhei“ fährt etwa seit 2008 auf dem Zürich See, der „Rhystärn“ seit 2018 auf dem Rhein bei Basel.

Ignaz Mayer würde sich freuen, wenn er wüsste, dass nicht nur eine Querstraße zur Industriezeile nach ihm benannt ist , sondern 186 Jahre und zirka 1.500 Schiffe nach seiner Firmengründung auch immer noch welche „made in Linz“ vom Stapel laufen.

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