
1890. Von diesem Jahr bis 2004 lockt die Café-Konditorei Niemetz am Hessenplatz mit süßen Versuchungen. Edmund Niemetz legt dafür den Grundstein. Berühmt soll aber sein Sohn Walter werden – mit der Erfindung der Schwedenbombe.
Walter Niemetz entwickelte die cremig-schaumige Süßspeise mit und ohne Kokosraspeln auf der Schokoglasur im Jahr 1926 und produzierte sie ab 1930 in einer eigenen Manufaktur in Wien. Beim Slogan seiner Firma schwindelte er aber. Denn die „Wiener Konditorqualität seit 1890“ war eben keine Wiener, sondern Linzer Qualität.. Der heutige Hersteller, die Heidi Chocolat AG, welche nach dem Konkurs von Niemetz 2012 den Betrieb samt den patentierten Schwedenbomben erwarb, produziert nicht mehr in Wien sondern in Wiener Neudorf – und hat das Adjektiv „Wiener“ ehrlicherweise aus dem Slogan gestrichen.
Linzer Konditorqualität über 114 Jahre
Die Schließung des Linzer Stammhauses im Jahr 2004 war also ein Vorbote für das Ende des Familienbetriebs. Dass sein Käufer sowohl Produkt- wie Hersteller-Marke weiterleben ließ, war jedoch nur logisch. Laut einer Umfrage kennen 94 Prozent (!) der Österreicherinnen und Österreicher die Schwedenbomben und den Namen Niemetz!
Was hat Schweden mit Bomben zu tun?
Warum übrigens der kriegerische Begriff „Bombe“ als Name für das Produkt gewählt wurde, ist wohl ein kulturelles Erbe des 1. Weltkriegs. Die als friedliebend bekannte schwedische Nation hat jedenfalls (fast) nichts damit zu tun. Ein schwedischer Freund von Walter Niemetz, der an der Entwicklung mitgearbeitet hatte, stand Pate.
Vom Propellerantrieb zur Schwedenbombe
Einen kriegsbezogenen, aber zufälligen Zusammenhang hat auch der heutige Produktionsstandort: das Industriezentrum Niederösterreich Süd, Österreichs größtes Gewerbegebiet, das auf den Gemeindegebieten von Wiener Neudorf und Laxenburg liegt. Dieses war ursprünglich das Gelände der „Flugmotoren Ostmark GmbH“, deren Antriebe in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs in zahlreichen Kampfflugzeugen der Deutschen Luftwaffe zum Einsatz kamen, vor allem in Junkers-Maschinen.
Doch zurück zu den süßen Bomben. Wie begehrt diese nach wie vor sind, zeigt ein Vorfall, der sich in der Nacht von 18. auf 19. Dezember 2019 ereignete. Da stahlen Diebe bei einer Spedition in der Nähe von Wiener Neudorf einen nie wieder aufgetauchten LKW. Er enthielt 160.000 Schwedenbomben.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn du relevante Informationen zu diesem Artikel hast, schick sie uns doch per Mail!



