
April 1770. Eine prächtige Kutsche fährt von Ost nach West auf einer breiten Straße in Kleinmünchen. Diese Straße wurde allein für diesen Moment erbaut. Denn hier reist eine 14-jährige Prinzessin ihrem Schicksal entgegen – als Königin Marie-Antoinette.
Erzherzogin Maria Antonia von Österreich wurde am 2. November 1755 als fünfzehntes Kind und letzte Tochter von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen und Kaiserin Maria Theresia von Österreich in Wien geboren. Dass sie am 16. Oktober 1793 als französische Königin Marie-Antoinette ihren Kopf unter der Guillotine der Revolution verlieren sollte, war ihr nicht in die Wiege gelegt. Denn eigentlich hätte ihre ältere Schwester Maria Elisabeth König Ludwig XV. heiraten sollen. Was die Pocken verhinderten. Und so bat eben dieser König natürlich aus Gründen dynastischer Bündnispolitik um die Hand von Maria Antonia – jedoch für seinen Enkel und Thronfolger.
Der Delfin und die Delfinin
Bevor dieser als ebenso hingerichteter König Ludwig XVI. in die Geschichte einging, war Prince Louis-Auguste der „Daupin de France“. Was wörtlich „Delfin“ bedeutet und auf ein Wappentier zurückgeht, nichtsdestotrotz aber einfach den Kronprinzen meinte. Dessen künftige Gemahlin wurde in der weiblichen Form des Wortes als „Dauphine“ bezeichnet. Warum das wichtig ist? Weil eben jene Straße in der damals noch eigenständigen Gemeinde Kleinmünchen, auf der Erzherzogin Maria Antonia von Wien nach Paris fuhr, heute die Daupinestraße ist. Und damit eine der Hauptstraßen im Linzer Süden, verbindet sie doch auf einer Länge von etwa drei Kilometern die Stadtteile Kleinmünchen und Neue Heimat.
Die Straße der Erzherzogin Maria Antonia
Linz hatte vor 1770 keine „Südumfahrung“ und war noch zu unbedeutend, um als Rast-Station für die Prinzessin zu dienen. Also musste die Straße extra angelegt werden. Und das für die damaligen Verhältnisse auch noch extra breit, um dem riesigen Gefolge eine standesgemäße Durchreise zu ermöglichen. Maria Antonia, die erst auf französischem Boden zu Marie-Antoinette werden sollte, hat diesen Augenblick ihrer Reise sicher nicht in Erinnerung behalten. „Ihre“ Straße erinnert die Linzerinnen und Linzer im Süden dafür jeden Tag an sie. Auch wenn sie gar nicht wissen, was „Dauphine“ bedeutet.
Die Stadt kann Prinz und Prinzessin nicht unterscheiden
Das kann man ihnen auch nicht zum Vorwurf machen. Französisch ist eine Sprache, die nicht wirklich breit gelehrt und darum auch nur von wenigen beherrscht wird. Man kann darum nicht einmal von den Anrainern der Dauphinestraße erwarten, dass sie diese richtig buchstabieren und aussprechen – nämlich „Dofinn“. Dass man das zwischen 1929 und 1954 auch nicht von der Stadt Linz erwarten konnte, ist dann aber doch etwas peinlich. Die schilderte in diesem Zeitraum nämlich die Straße offiziell als Dauphinstraße – also ohne „e“ – aus. Was „Doföö“ ausgesprochen wird und eben fälschlicherweise den französischen Prinzen meinte und nicht die österreichische Prinzessin.
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