Linz-Geschichte(n)

Der Ort der Auslöschung wird ausgelöscht

Linz Legenden

13. März 1938. Es ist der schwärzeste Tag. Der Tag, an dem Adolf Hitler Österreich auslöscht und dem Reich einverleibt. Ort des Verbrechens ist das erste Haus am Platz in Linz – das Hotel Weinzinger. 24 Jahre später wird es selbst Geschichte sein.

Doch bevor wir uns dem schicksalhaften Ende des Hauses widmen, müssen wir seinen vielversprechenden Anfang beleuchten. 1840 erwarb der Fischhändler und Gastwirt Bartholomäus Kogler ein Grundstück an der Donaulände, um darauf einen Gasthof zu errichten. Die Nähe zur Schiffsanlegestelle und zur damals einzigen Linzer Donaubrücke schien ihm ein erstklassiger Platz sein, um ein ebensolches Haus führen zu können. Und er sollte Recht behalten. 1842 eröffnete sein dreistöckiger Bau im Stil des Spät-Biedermeier und ein Jahr darauf wurde sein Ansuchen an Erzherzog Karl, das Gasthaus nach diesem benennen zu dürfen, allergnädigst gestattet.

Erste Ära: Das Erzherzog Karl

Erzherzog Karl von Österreich-Teschen war der jüngere Bruder von Kaiser Franz I. und litt wie so viele Habsburger an den Folgen derer inzestuösen Heiratspolitik. Die Beeinträchtigung, mit der er geschlagen war, war die Epilepsie, was ihn aber nicht davon abhielt, die militärische Laufbahn einzuschlagen und als kaiserlicher Feldherr seinem großen Gegenspieler Napoleon Bonaparte die erste Niederlage in einer Feldschlacht – nämlich die bei Aspern 1809 – zuzufügen. Den Krieg gegen die Franzosen als Ganzes verlor er allerdings. Ein österreichisches Schicksal. Ebenso österreichisch ist es, dass Erzherzog Karl auch gelegentlich im Linzer Haus, der nach ihm hieß, residierte. Ob er dafür auch nichts bezahlen musste, ist jedoch nicht überliefert.

Aufstieg zum Luxushotel: Das Weinzinger

Nach dem Tod des Gründers Bartholomäus Kogler 1877, einigen Besitzerwechseln und der Aufwertung des Gasthofs zum Hotel erwarben 1902 der Wiener Holzindustrielle Josef Weinzinger und sein Schwager, der Gmundner Kasinorestaurateur Viktor Toth das Erzherzog Karl. Dieses war bereits längst das erste Haus am Platz geworden und darauf wollten die neuen Eigner auch setzen – mit einem Neubau. 1914 eröffnete das neue, fünfstöckige Hotel Weinzinger mit allen damaligen Schikanen eines Luxushotels erster Klasse. Inklusive Aufzug. In den 1920er Jahren wurde für den damaligen Zeitgeist sogar eine „American Bar“ angebaut. Klar, dass hier nur abstieg, wer Rang und Namen hatte. Darum auch in den 1930er Jahren der deutsche Reichskanzler bei Besuchen in seiner Jugend- und späteren Patenstadt.

Schweres Schicksal: Das Anschluss-Hotel

Und so sollte am 13, März 1938 die vom „Führer“ bewohnte Suite im Weinzinger der Ort werden, in der die Republik Österreich ihr zwischenzeitliches Ende fand. Hitler war bei seiner Fahrt am Vortag von der Grenze bei Braunau nach Linz von großen Teilen der Bevölkerung frenetisch empfangen worden. Insbesonders der Jubel bei seiner am Linzer Rathausbalkon improvisierten Rede am Abend, brachten ihn zu dem Entschluss, anstelle des eigentlich geplanten langsamen Übergangs den „Anschluss“ sofort zu vollziehen. Eiligst wurde das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ formuliert und von Hitler und seinem österreichischen Nazi-Vasallen Arthur Seyss-Inquart, der für 2 Tage österreichischer NSDAP-Bundeskanzler war, noch am selben Tag im Hotel Weinzinger unterzeichnet. Der von Hitler zwei Tage später bei seiner berüchtigten Heldenplatz-Rede in Wien verkündete „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“ war nur mehr Show.

Unrühmliches Ende: Enteignung und Abriss

Als „Dank“ enteigneten die Nazis bald darauf die Besitzerfamilie. Nicht etwa weil die Weinzingers Juden waren. Nein, das Haus stand lediglich den Träumen des „Führers“ von Linz als „Weltkulturhauptstadt“ im Wege. Das Weinzinger war für das geplante „Führerhotel“ einfach zu mickrig. Nur ein Fünftel des Wertes erhielt die Familie Weinzinger bezahlt und nach dem Krieg wurde es auch nicht besser für sie. Die Enteignung war nämlich nicht zugunsten des Deutschen Reiches sondern der Stadt Linz erfolgt. Nicht zu ihrem Ruhm beharrte diese nun auf der Legitimität der Enteignung, weshalb die Familie Weinzinger ihr Hotel erst nach einem langen Prozess bis hin zum Obersten Gerichtshof zurückbekam. Dieser Prozess, die von 1945 bis 1955 aufgezwungene Rolle als Linzer  Hauptquartier der US Armee und das verheerende Hochwasser von 1954 verhinderten zusammen, dass das Weinzinger nach dem Krieg wieder am alten Glanz anknüpfen konnte.
Das Ende war noch glanzloser – und endgültig. 1962 wurde das Hotelgebäude abgerissen und an dessen Stelle die zehnstöckige OÖ Zentrale der Generali-Versicherung errichtet. Es war eines der ersten Büro-Hochhäuser in Linz. Und steht damit heute unter Denkmalschutz.

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