
10. Jänner 1955. Die Stadt Linz unterzeichnet in Stockholm einen Vertrag, der schwedisches Wohnen nach Linz bringen wird. 22 Jahre bevor das erste IKEA-Möbelhaus Österreichs in Vösendorf eröffnet. Dafür verantwortlich: Bruno Kreisky.
Es gibt wohl wenige Stadtteile in Linz, die ihre Identität so einfach wie eindeutig in ihrem Namen tragen wie die Schwedensiedlung am Gründberg in Urfahr. Denn diese liegt nicht nur an Straßen mit schwedischen Namen wie Stockholmweg oder Uppsalaweg, sondern wurde tatsächlich von Schweden finanziert, geplant und gebaut. Genau gesagt von den beiden schwedischen Hilfsorganisationen „Rädda Barnen“ (Rettet die Kinder) und „Svenska Röda Korset“ (Schwedisches Rotes Kreuz).
Höher Wohnen nach dem Hochwasser
Die ursprünglich exakt 50 Fertigteilhäuser zu einem Großteil aus Holz aus dem hohen Norden waren eine Spende in einer Notsituation, deren Anlass, wie heute manche meinen, nicht die Bombenschäden des 2. Weltkrieges waren, sondern das Donau-Hochwasser von 1954. Dieses machte 8.000 Linzerinnen und Linzer zumindest vorübergehend obdachlos und zwang etwa 5.000 tatsächlich dazu, ihre Wohnungen für immer zu verlassen. Die neue Siedlung sollte in erster Linie direkt Betroffenen der Katastrophe eine ebenso neue Heimat geben.
Für Hauseigentümer und Mieter
Wobei es „die“ Schwedensiedlung eigentlich gar nicht gibt, denn es waren zwei: 14 Eigentumshäuser am Uppsalaweg und 36 Mietshäuser auf den sogenannten Kellergründen südöstlich des Gründberghügels. In beiden Bereichen wurden zwei Haus-Typen verbaut, die jeweils eine größere Wohnung im Obergeschoß und eine kleinere im Untergeschoß beinhalteten. Vergeben wurden diese nach fünf Kriterien, bei denen ehemalige Hauseigentümer, deren Haus hochwasserbedingt nicht mehr bewohnbar war, an der Spitze standen. Nur ein Jahr nach der Überschwemmung vom Sommer 1954 zogen die ersten neuen Bewohner ein.
Nur ein halbes Jahr Bauzeit
Und wem hatten jene Glücklichen im Unglück nun diese ungewöhnlich schnelle Hilfe zu verdanken? Sehr wahrscheinlich Bruno Kreisky (1911-1990). Der spätere legendäre Bundeskanzler der 1970er Jahre war im Jahr 1954 Staatssekretär im Außenministerium in jener ÖVP/SPÖ-Koalitionsregierung, die wenige Monate später den Staatsvertrag von 1955 mit den Besatzungsmächten unterzeichnen sollte. Er hatte während der NS-Herrschaft im Exil in Schweden gelebt und die besten Kontakte dorthin. Vor allem aber gibt es einen starken Hinweis für seine persönliche Involvierung: Als am 10. Jänner 1955 die Stadt Linz in Stockholm den Vertrag mit den schwedischen Organisationen unterschrieb, war laut Dokumenten auch anwesend: Staatssekretär Dr. Bruno Kreisky.
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